Fahrradtour Bordeaux - Avignon - Genf Sommer 2019

+ Singen - Ulm

 


Dieses Jahr wurde es Zeit, meine schon seit ca. drei Jahren geplante, zweite Frankreichtour, diesmal von Bordeaux zum Mittelmeer und dann die Rhone hinauf bis Genf, in Angriff zu nehmen.
Die reine Fahrzeit für die eigentliche Tour von nach Genf betrug 13 Tage plus 3 Tage für den Anhang in Deutschland.
Die Gesamtstrecke für die Haupttour  belief sich auf rund 1100 km. Hinzu kamen die rund 190 km für den Anhang. Die angegebenen Kilometer sind Tachokilometer, also mehr als die Plankilometer gemäß Komoot. Die Tour dauerte insgesamt vom 08.08.-26.08.2019


Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach
meine Radtouren anklicken.

Die Vorplanung der Strecke habe ich wie immer Hilfe des Tourenplaners von Komoot gemacht, die Tour dann aufs Smartphone geladen und dieses als Navi verwendet.
Der Streckenverlauf Bordeaux-Genf
und  Singen-Ulm kann durch entsprechendes Anklicken angesehen werden.
 

I. Vorbemerkungen

Die Anreise war diesmal richtig heftig und ich hatte schon überlegt, Frankreich sein zu lassen. Dann habe ich es aber doch gemacht und nicht bereut. Das Problem ist,
dass die SNCF seit diesem Jahr keine unzerlegten Fahrräder mehr in ihren TGVs mitnimmt. In einem Tag von einem Ende Frankreichs ans andere geht also nicht mehr.
Stattdessen habe ich mir mit Hilfe der DB mühsam eine riesige Umwegstrecke über Südfrankreich zusammengebastelt und das ging dann auch noch ziemlich schief!

Die Franzosen sind ansonsten, wie schon vor drei Jahren festgestellt, inzwischen umgänglich und freundlich geworden, kein Vergleich mehr mit den Siebzigern und teilweise sogar noch frühen Achtzigern des vorigen Jahrhunderts (hört sich irre an, gell?).
Die Hotels sind weiterhin das reinste Lotteriespiel. Die Betten waren zwar überall sauber und durch die Duschen rasten keine Silberfische. Aber manches Drei-Sterne-Hotel war nicht mal einen Stern wert (Renovierungsstau!) und manches Zwei-Sterne-Hotel entpuppte sich als äußerst solide und angenehme Herberge. Bezahlt habe ich im Schnitt ca. € 70,00 mit Frühstück, wobei die Preise in Frankreich zunächst immer ohne Petit Dejeuner angegeben werden. Für das Frühstück kommen dann noch 8,00 - 10,00 Euro dazu.
Achtung: Frühstück in Frankreich heißt wie in Italien in der Regel nur süß, also ohne Wurst, Käse oder Ei, dafür aber immer mit Croissants. Die Preise in den Lokalen sind deutlich höher als in Deutschland.
 

1. Tag: Zugreise Göppingen - Zürich - Genf - Avignon   

Zunächst ging es mit dem Zug von Göppingen über Ulm - die direkte Gäubahnstrecke war gesperrt - Zürich, Genf, Lyon nach Avignon. Die Umsteigezeiten waren zum Teil extrem kurz, in Zürich sieben Minuten mit Abstieg in den Tiefbahnhof, aber ich kam beinahe schon wider Erwarten nachts gegen 22.00 Uhr in Avignon an. Das von mir ausnahmsweise bereits gebuchte Hotel lag in der Nähe des Bahnhofs und gegen gutes Zureden und ein Trinkgeld ließ mich der Nachtportier das Fahrrad dann sogar in der Ecke eines Büros abstellen. So gönnte ich mir nach dem Duschen noch einen Spätbummel durch die Altstadt. Am Rathaus zeigten sie ein tolle Lichtshow, d.h. sie verwandelten das Rathaus durch entsprechende Projektionen in ein antikes Gebäude und Anderes. Vor dem beeindruckenden Pabstpalast herrscht ein Riesenrummel. Geschafft vom anstrengenden Anreisetag, immerhin 14 Stunden Zugfahrt, ging es dann ins Bett.
 

2. Tag: Zugreise Avignon - Nimes

Am nächsten Tag kam ich gegen Mittag in Nimes an und machte den Fehler, während meines einstündigen Aufenthalts nach einer Fahrradkarte für den IC nach Bordeaux zu fragen. Hätte ich mal besser bleiben lassen und einfach auf Verdacht weiterfahren sollen. Jedenfalls gab es keinen Platz mehr. In Deutschland steige ich dann in der Regel trotzdem in den IC um dann festzustellen, dass das Fahrradabteil oft halbleer ist. In Frankreich war mir das auf die lange Strecke dann doch zu riskant. Der Herr von der SNCF bastelte mir für den nächsten Tag mit vielen Umstiegen eine neue Tour nach Bordeaux.

Eigentlich hatte Nimes auf der Radtour zurück vom Mittelmeer auf dem Programm gestanden. So zog ich diesen Programmpunkt halt vor, fand ein Zimmer im Hotel Cesar für
€ 62,00 direkt beim Bahnhof und machte mich auf in die Stadt. Ím Ranking der von mir bei dieser Tour besichtigten Städte liegt Nimes auf Platz 1. Schon die baumbestandene Fußgängerallee vom Bahnhof bis zur Esplande Charles de Gaulle, ein kleiner Park mit schönem Brunnen ist äußerst einladend. Die beiden Wasserläufe entlang der Allee sind nachts illuminiert und hinter der Esplanade fällt der Blick sofort auf das prächtige Amphitheater. Es gibt auch sonst noch einige römische Ruinen und ein Bummel durch die malerische Altstadt mit ihren Plätzen und Brunnen macht einfach Freude. Am anderen Ende der Altstadt gibt es dann noch den prächtigen Jardain de la Fontaine.
Oben über der Stadt gibt es einen weiteren Park mit dem dem Tour Magne, einem verblieben Turm der ehemaligen, römischen Stadtmauer. Abends war ich dann im römischen Amphitheater und sah mir eine Show zur Geschichte Nimes an, d.h. es gab verschiedene Spielszenen, beginnend mit dem Gründungsmythos Nimes, der Zeit der Römer mit einer Seeschlacht. Mit entsprechender Projektionstechnik verwandelte sich der Arenaboden in ein Meer, auf dem dann zwei Schiffe eine kleine Seeschlacht aufführten. Das Mittelalter wurde dann mit einem Ritterturnier dargestellt usw. Das Ganze in der tollen Atmosphäre der römischen Arena. Der Abend und das Eintrittsgeld von € 25,00 hatten sich wirklich gelohnt.

 













                     
Bahnhofsallee                                                     Präfektur                                                     Arena                                           Jardain de la Fontaine
 

 

3. Tag: Zugreise Nimes - Agen (?) - Toulouse.

Gegen Mittag des Folgetags bestieg ich erneut einen TER (Regionalzug), um mich weiter nach Bordeaux durch-zukämpfen. Nach dem dritten Umstieg war dann am frühen Samstagabend in Agen (?) mal wieder Schluss.
Der Anschlusszug Richtung Toulouse war derartig überfüllt, dass nur noch einige wenige Fahrgäste zusteigen konnten.
Mein Fahrrad und ich waren jedenfalls nicht dabei! Also wieder ab zum Schalter der SNCF im Bahnhof und wieder umgebucht. Ich hatte die Wahl, am Folgetag in aller Herrgottsfrüh weiterzufahren, oder zunächst bis Toulouse weiterzufahren, dort erneut zu übernachten und dann von Toulouse aus die Reise nach Bordeaux fortzusetzen.
Ich wählte die zweite Variante und muss trotz allen Ärgers mal die freundliche Dame der SNCF, die sich quasi 10 Minuten vor Dienst-schluss noch soviel Mühe gemacht hat, lobend erwähnen.
So kam ich denn am Abend in Toulouse an und checkte direkt am Bahnhof im Grand Hotel Orleans für € 67,00 (ohne Frühstück) ein,
da es am nächsten Morgen früh um ca. 8:00 Uhr weitergehen sollte.
Toulouse ist durchaus sehenswert. Die Besichtigungstour habe ich wie immer in solchen Fällen mit dem Rad gemacht. Die Stadt hat sehr schöne Bauten in Ziegelbauweise und der Hauptplatz mit dem prächtigen Rathaus ist schon beeindruckend. Unten am Fluss, der Garonne, flanierten die Menschen oder ließen einfach nur die Füße baumeln. Eine Stadt am Wasser hat einfach sehr viel Lebensqualität, vorausgesetzt, der Fluss oder See ist zugänglich. Zu Abend aß ich in einem Hamburgerlokal, also nicht McDonalds oder so und dann hörte ich in einem Stadtpark mit plätschernden Brunnen noch einem Saxophonisten zu.
                    Toulouse Rathaus                                 Was will man mehr? Auf der Rückfahrt zum Hotel schaffte ich es dann tatsächlich doch, mich nacht kräftig zu verfranzen.
                                                                                    Toulouse ist halt kein Dorf.  :-)

                    

4. Tag: Zugreise Toulouse - Bordeaux   

Am nächsten Morgen ging es dann ab zum Bahnhof und rein in den nun endlich !!!! letzten Zug nach Bordeaux. Auf der Strecke regnete es etwas, aber in Bordeaux angekommen, hörte es auf, allerdings war es etwas frisch. Also auf ins sehr schöne Zentrum und ein Hotel gesucht. Das war gar nicht so einfach, aber nach einer guten Stunde und einer Mittagspause tat sich das Hotel Porte Dejaux am gleichnamigen Stadttor am oberen Rand der Altstadt auf ( € 80,00) und eine Fahrradgarage hatten sie auch :-).
Auch Bordeaux ist eine sehenswerte Stadt. Das historische Stadtzentrum hat viele schöne Bauten. In der Stadt fährt - wie auch in Orleans - die hochmoderne Straßenbahn ohne Oberleitung. Sie holt sich den Strom wie eine Spielzeugeisenbahn aus den Schienen. Da wir hier nicht von 14 Volt, sondern von vermutlich 300 Volt und mehr reden, bedarf es eines äußerst teuren elektronischen An- und Abschaltsystems. Dadurch steht immer nur der Schienenabschnitt unter Strom, über den die Bahn gerade darüber fährt. Am Ufer der Garonne gibt es auch eine Wasserfläche, auf der aus lauter kleinen Düsen gerade soviel Wasser herausströmt, dass der Wasserspiegel ca. 4 cm hoch ist.
Es macht richtig Spaß, darüber zu laufen und herumzuplantschen. Auch hier nachfolgend nur einige der vielen Fotos, die ich geschossen habe:

                   
                  Straßenbahn Nähe Kathedrale                                                        Porte Caillhau                                                  Börsenplatz mit Wasserspiegel

 

5. Tag: Toulouse - Damazan 115 km

Also ehrlich gesagt glaubte ich es ja selbst kaum, aber an diesem Tag begann nun tatsächlich meine Fahrradtor :-) !!!
Einige Kilometer nach dem Verlassen der Stadt begann die Piste Roger Lapébie, eine stillgelegte Eisenbahnstrecke, benannt nach einem französischen Radrennprofi.
Die Strecke führt am oberen Rad des Tals der Garonne durch eine idyllische, hügelige Landschaft. Man fährt an dem einen oder anderen ehemaligen Bahnhof vorbei und durch den einen oder anderen, früheren Eisenbahntunnel. Kurz vor dem Ende der Strecke bog ich Komoot folgend von der Strecke Richtung Garonne ab und fürchtete schon, Mittags nichts in den Magen zu bekommen. In einem kleinen Örtchen namens La Reóle an der Garonne fand sich dann eine Boulangerie, die über Mittag offen hatte, tolle
  Sandwiches hatte und zum Nachtisch gab es eine leckere, riesige Meringe (Baiser).  


Nach der Überquerung der Garonne kam ich dann an den Garonne Seitenkanal, der Toulouse mit Bordeaux verbindet und dem ich nun bis Toulouse folgen sollte.
Der Radweg ist vom Feinsten, fast durchgehend asphaltiert und stets im Schatten der Bäume, die den Kanal rechts und links säumen. Der Kanal wurde in den 1860er Jahren gebaut. Man passiert ständig Schleusenanlagen, die von den Bootstouristen i.d.R. selbst bedient werden. Hin und wieder überquert der Kanal auf Trogbrücken kleine Täler oder sogar ganze Flüsse.
Es ist, da praktisch ohne Steigung, außer etwas an den jeweiligen Schleusen, ein sehr angenehmes Radeln. Was die Bootstouristen am Kanalfahren allerdings so toll finden, ist mir ein bisschen ein Rätsel. Die Boote fahren sehr langsam dahin und man sieht außer dem Kanal vom Wasser aus fast nix, außer wenn in seltenen Fällen ein Örtchen mit einer Anlegestelle kommt. Man muss sich für so eine Art von Urlaub schon sehr entschleunigen können. Nix für mich, aber wer´s mag...


                Bahnhof Piste Roger Lapèbie



       Tunnel Piste Roger Lapébie


 

Gegen Abend nahm ich dann wieder mein Lotteriespiel auf, nämlich ein Hotel zu suchen. In Damazan radelte in das kleine Örtchen rein und ging nicht wirklich davon aus, dort ein Hotel zu finden. Einige Gäste in einem Bistro erklärten mir jedoch, ich möge aus dem Ort raus zur Autobahnauffahrt  radeln und dort gäbe es das Hotel de la Confluences (€ 54,00). Dieses entpuppte sich als als hochmoderner Neubau mit I a Zimmer und Bad und damit als absolute Ausnahme von der französischen Regel. Die Entenbrust abends im Hotel-restaurant war lecker und eine Fahrradgarage hatten sie auch.




 

6. Tag: Damazan - Agen - Moissac - Grisolles 119 km

Nach einem dann auch noch unfranzösischem Frühstück mit Rührei und Speck (!) ging es frohgemut zurück zum Kanal und weiter auf dieser idyllischen Strecke nach Agen, dem Ort meines unfreiwilligen, weiteren Stopps auf der Hinreise mit dem Zug. Der Kanal überquert vor der Stadt mittels einer Trogbrücke die Garonne und ich bog in die Innenstadt ab, um eine kleine Mittagspause in der Fußgängerzone zu machen. Die mittelgroße Stadt ist ziemlich trist und daher nicht weiter beschreibenswert.


Das Wetter war wie (fast) immer sonnig und weiter ging es entlang des Kanals von Schleuse zu Schleuse
zunächst nach Moissac.  
Dort machte ich in einer Boulangerie ein Kaffeepäuschen und konnte mich mit der Inhaberin, zu meiner Überraschung auf Deutsch unter-halten. Bei der Ausfahrt aus dem Ort überquert dann erneut eine große
Trogbrücke einen Fluss, diesmal den Tarn.

Als Abend wurde war erneut ein Hotel zu suchen. In Montech  ging das schief und es war schon etwas später, so ca. 20 Uhr, als ich in dem kleinen Örtchen Grisolles an der Nationalstraße das Relais des Garnigues (€ 80,00) fand. Nach 119 km war ich froh, eine Bleibe gefunden zu haben. Woher die Sterne kamen, war rätselhaft.
Im Zimmer roch es fürchterlich nach Desinfektionsmitteln.
 

                                                                          Kanalbrücke Moissac

 

7. Tag: Grisolles - Toulouse - Castelnaudary 93 km

Gegen Mittag traf ich in Toulouse ein, fuhr wieder runter zum Fluss und verspeiste dann in einer Boulangerie in der Altstadt ein leckeres Sandwich. Die gutaussehenden aber etwas auffälligen "Damen" am Nachbartisch waren vermutlich keine Damen und ich hatte den Eindruck, dass eine der beiden es ganz nett fand, dass ich sie trotz ihres Jobs nicht krampfhaft ignorierte. Sind auch nur Menschen, die einen Sch...job haben, was man gerne vergisst. In Toulouse hört der Canal lateral du Garonne auf und man radelt
ab hier entlang des Canal du Midi, der zweihundert Jahre früher von einem Salzbaron gebaut wurde. Interessant, dass dieser den Arbeitern bei Krankheit oder witterungs-bedingtem Arbeitsausfall den Lohn weiterzahlte. Wir reden wohlgemerkt von den Jahren um ca. 1650 !!.

Im Gegensatz zum Radweg am Seitenkanal der Garonne ist der Weg entlang des Canal du Midi nicht durchgehend asphaltiert und hat häufig besseren oder schlechteren Feldwegcharakter. Abgesehen davon geht es auch hier gemütlich von Schleuse zu Schleuse, häufig unter einem sonnenschützenden Blätterdach.
Einige Kilometer vor Castelnaudary wollte mich Komoot dann vom Kanal weglotsen, aber ich blieb am Kanal. Etwa später später wusste ich, warum Komoot mich hatte weglotsen wollen. Der bis dahin asphaltierte Kanalweg wurde zum Schotterweg und dann zum Sandweg, sozusagen der ehemalige Treidelpfad im Originalzustand
.
Daraufhin nahm ich die nächste Abzweigmöglichkeit zu einer regulärenStraße und fuhr einige wenige Kilometer an einer vielbefahrenen Nationalstraße entlang.
In Castelnaudary fand sich dann das wieder sehr "französische" Hotel de France (€ 70,00) .
Zum Abendessen ging es dann runter auf ein Restaurantschiff im alten Hafen. Ich saß dort sehr schön und es gab etwas recht Herzhaftes, nämlich gebratene Blutwurst mit Pommes und Salat. Hätte ich jetzt in Frankreich nicht unbedingt auf einer Speisekarte vermutet.
 

8. Tag: Castelnaudary - Narbonne 123 km

Der Radweg entlang des Kanals Richtung Carcassone, den ich am nächsten Morgen in Angriff nahm, hatte mehr Feldwegqualität und als der Kanal eine Landstraße kreuzte, wechselte ich kurzerhand auf die Straße und kam gegen Mittag in der "Neustadt" von Carcassone an. "Neustadt"  deshalb, weil beim  Ausbau der berühmten Bergfestung die dortigen Bewohner gezwungen worden sein sollen, den Berg zu verlassen und sich im Tal neu anzusiedeln. Das Städtchen ist im Altstadtbereich nett anzuschauen und so wollte ich mir dort eigentlich ein Hotel nehmen, um einen Tag Pause zu machen. Ging aber nicht! Alle Hotels, die ich abklapperte, waren belegt, gleich welcher Preisklasse. Nun ja, Hochsaison und die berühmte
Bergfestung, sozusagen ein Rothenburg auf französisch, da ging einfach nix.

Nach der Mittagspause
radelte ich also den Berg zur Festung hoch und drängelte mich mit gefühlt 10.000 anderen Touristen durch die eigentlich schönen Gassen der imposanten, mittelalterlichen Bergfestung. Die muss bis zum 19. Jahrhundert übrigens ziemlich verfallen gewesen sein und wurde dann  wieder aufgebaut. Genau genommen also alles Fake :-) Ändert aber nix daran, dass es schön aussieht. In einem der zahlreichen Läden gibt es überdimensionale Schaumzuckerware von HARIBO und da konnte ich einfach nicht widerstehen :-)  Das Problem ist halt nur, dass Carcassonne wie heute alle Sehenswürdigkeiten total überlaufen ist. Ich war zuletzt 1974 mit einem Freund anlässlich unserer Abiturtour dort.
Damals war es verglichen mit heute dort richtig gemütlich.

Danach ging es zurück an den Canal du Midi und nach dem ganzen Touristenrummel tat die Fahrt durch die Natur richtig gut.


Nach einigen Kilometern gönnte ich mir in einem kleinen Ort namens Trébes eine Kaffeepause und überlegte
mir, dort den Tag vorzeitig ausklingen zu lassen. In der Touristeninformation bot man mir dann ein Chambre d`Hote für € 90,00 an und ich erlaubte mir schon die Frage, wenn auch nicht ganz so drastisch formuliert, ob die in dem Kaff noch ganz dicht sind?
Nun es war erst früher Nachmittag und zunächst verließ ich den Radweg am Kanal, der doch recht schotterig geworden war. So gegen 18:00 Uhr traf ich in Lézignan Corbières, einem etwas heruntergekommenen Örtchen ein und machte mich auf die Hotelsuche. Das Hotel im Ort war ausgebucht und ich fragte mich etwas wieso? Keine Touristenattraktion weit und breit (man übersieht als Radler vermutlich, dass man von dort mit dem Auto in einer Viertelstunde in Carcassonne ist :-.) ) Ein Motel an der Autobahnauffahrt war ebenfalls "complet". Also mal wieder I´m Biking der untergehenden Sonne entgegen. Ein Landhotel an der Strecke war ebenfalls ausgebucht und so war es dann auch schon wurscht und so radelte ich durch bis Narbonne. Die Stadt wurde damals zu ihrem Ärger übrigens nicht an den Canal du Midi angeschlossen, bekam später aber eine Stichkanal, den Canal de la  Robine. Dort fand sich dann mitten im Zentrum das Hotel de Paris
(€ 54,00) mit dem schon üblichen Renovierungsstau, aber der Wirt war nett und hat den Laden offenbar fast alleine betrieben. Narbonne rangiert auf meinem Städteranking weiter unten. Bis auf ein zwei Plätze und den Dom ist sie ziemlich schmuddelig. Der Abend am Canal am Cours de la Republique in einem Straßenrestaurant war dann aber doch ein schöner Tagesausklang.

            Narbonne Cathédrale Saint Just



9. Tag: Narbonne - Sete 91 km (und Zugsprung nach Nimes)

Am nächsten Morgen traf ich nach einigen Kilometern vor Colobiers wieder auf den Canal du Midi und zwar genau an einer der Sehenswürdigkeiten des Kanals, nämlich dem Tunnel von Malpas. Der Kanal durchquert dort in einem Tunnel einen Bergrücken. Nur noch mal zur Erinnerung: Das war ca. 1650 und Handarbeit!
Weiter ging es Richtung Beziers und kurz vor der Stadt gab es eine weitere Attraktion des Kanals zu bestaunen. Der Kanal
wird dort mehr oder weniger von der Mittelmeerebene mittels neun unmittelbar aufeinander folgender Schleusen, ein erhebliches Stück angehoben.
Gegen Mittag radelte ich dann in Beziers ein und musste, um ins Zentrum der Altstadt zu gelangen, kräftig den Berg hochradeln.
Dort gab es gerade ein Stadtfest mit entsprechender Außen-bewirtschaftung und so war das Mittagessen gerettet.
Anschließend ging es dann, meist am Kanal entlang über Adges nach Sete am Mittelmeer. Es war schon ca. 18:00 Uhr und ich machte mich erneut auf die Hotelsuche. Nach eineinhalb Stunden gab ich es auf. Die Stadt war komplett ausgebucht und ich hatte doch eigentlich vorgehabt, am Mittelmeer einen Badetag einzulegen. Ich gebe zu, auf dieser Tour war es mit den Spontanüber-nachtungen jeweils in dem Ort, in dem ich am Abend zufälliger Weise gerade war, doch etwas schwierig....
(Ich werde es aber trotzdem auch im nächsten Radlerurlaub wieder so machen!)
                Schleusenanlage Fonseranes

Dessen ungeachtet stellte sich nun die ernsthaft Frage, ob ich eine Nacht am Strand verbringen sollte. Wetter- und temperaturmäßig wäre das kein Problem gewesen, aber muss man sich das mit 64 Jahren wirklich noch antun? Ich verneinte dies für mich und beschloss, einen "Zugsprung" nach Nimes zu machen, um von der offenbar völlig überfüllten Mittelmeerküste wegzukommen. Im Zug klapperte ich telefonisch mein altes Hotel sowie zwei IBIS-Hotels in Nimes ab. Bei Bookingcom war nix mehr auffindbar
und die angerufenen Hotels bedauerten, es sei wirklich nichts mehr frei. Na super! Ich überlegte mir schon mal prophylaktisch, in welcher Ecke des Stadtparks in Nimes ich übernachten wollte....
Aber siehe da, ein Hotel direkt am Bahnhof, das Hotel Abalone hatte für ca. € 60,00 doch tatsächlich ein Zimmer. Juchhuh!!!!
Zur Feier des Abends gönnte ich mir in der schon bekannt schönen Altstadt von Nimes ein leckeres Abendessen. Bevor ich ins Bett ging, buchte ich dann aber doch bei Bookingcom ein Hotel in Avignon, da ich ausnahmsweise wusste, dass ich dort am nächsten Abend sein würde und auch diese Stadt ist ein touristischer Hotspot.
(Die Strecke von Sete über Montpellier bis Nimes habe ich übrigens auf Komoot nicht gelöscht)
 

10. Tag: Nimes - Avignon 56 km

Der erste Teil der Strecke bis einige Kilometer vor dem Pont du Gard war radfahrmäßig nicht so toll, da er teilweise an einer vielbefahrenen Straße entlang ging. Aber manchmal schafft es Komoot mangels entsprechender Alternativen sprich
- Nebensträßchen - halt dann doch nicht, Hauptstraßen zu vermeiden. In Bezouce kam ich dann endlich weg von der Hauptstraße und es ging allmählich und idyllisch den Berg hoch. Am Schluss wurde es so "idyllisch" dass ich das Rad eine Weile bergauf über Schotter schieben musste. Schuld war diesmal aber nicht Komoot, sondern ich. Ich hatte bei der Routenplanung die Strecke an den Pont du Gard gezogen und übersehen, dass ich damit das obere Ende des Aquädukts am Berg erwischt hatte.
Auf diese Weise genoss ich von oben den fantastischen Ausblick vom Pont ins Tal. Übrigens: 1974 konnte man tatsächlich noch ganz oben auf dem Pont in der ehemaligen Wasserrinne rumlaufen. Hat mich damals schon etwas gewundert.
Heute ist das aus Sicherheitsgründen natürlich abgesperrt. Jedenfalls habe ich die Bergstrecke auf Komoot nicht gelöscht. Wer sich die Kraxelei sparen will oder muss, sollte natürlich im Tal bleiben und über Saint-Bonnet-du-Gard und Remoulins zum Pont radeln.
Runter vom Berg ging es über einen Waldweg übrigens wider Erwarten recht gut und so landete ich dann direkt an einem der dortigen Lokale am Fuße des Aquädukts. Nebenbei hatte ich mir durch diese Einfahrt über den Berg bzw. die Hintertür den Eintritt gespart, wie ich später bei der Weiterfahrt feststellte :-) .
Nach einer Mittagessen im Restaurant gönnte ich mir dann eine Badepause am und im klaren Wasser des Gardon.
 

Die Strecke nach Avignon ging dann teilweise leider wieder entlang einer vielbefahrenen Straße, aber schließlich fuhr ich über die Rhone und Avignon lag in seiner Pracht vor mir und linkerhand die berühmte Brücke, die mitten im Fluss aufhört, da sie einst von einem Hochwasser teilweise zerstört worden war.

                              


In Avignon checkte ich in der Residence de Cordorlies (ca. € 50,00) bei der es sich um eine Anlage in der Altstadt mit Appartements handelte, die sich in einem einwand-freien Zustand befanden.
Nach dem üblichen Frischmachen ging es mit dem Fahrrad auf zur Stadtbesichtigung. Auf die Brücke verzichtete ich, nachdem man für das bloße Betreten € 10,00 haben wollte. Das Geld habe ich dann lieber verfuttert! :-)  Wahrscheinlich ist so etwas aber eine Schutzmaßnahme gegen den heute an solchen Punkten vorherrschenden Overtourismus. Die Stadt hat neben ihrem beeindruckenden Papstpalast eine tolle, durchgehende Stadtmauer und Abends suchte ich mir eine gemütlichen Italiener für eine Pizza mit einem Gläschen Roten.
 

11. Tag: Avignon - Montelimar 101 km

Ab Avignon wollte ich bis Genf auf dem Rhonetalradweg radeln, der als "Via Rhona" ausgeschildert ist. Einige Kilometer nach Avignon verlor ich den offiziellen Radweg und folgte dann halt einfach meiner Komoottour. In der Regel tauchte der Radweg dann irgendwann plötzlich wieder unter den Radreifen auf. Da das Rhonetal in diesem Gebiet recht weit ist, führt der Radweg auch selten am Fluss lang, sondert mäandert ziemlich durch die Gegend. Nun wie heißt es immer: Beim Radeln ist der Weg das Ziel :-)
Um die Mittagszeit sah ich in einem kleine Wäldchen Sonnenschirme und folgte diesen. Kurz darauf fand ich mich an einem schönen Baggersee mit Kiosk in der Nähe von Piolenc wieder. Also nix wie rein in die Badehose und ab ins frische Nass!
So erfrischt ging es weiter bis Montelimar. Der Ort liegt nicht direkt an der Rhone, sondern ist mit dieser durch einen kurzen Stichkanal verbunden. Im dortigen Hotel Kyriad (€ 77,00) fand sich eine komfortable Bleibe und ab ging´s zum Abendessen. Den Ort selbst fand ich nicht so beeiindruckend.
 

12. Tag: Montelimar - Valence 62 km

Wenige Kilometer nach Montelimar fuhr ich an Rochemaure vorbei. Schon die Zufahrt auf das Örtchen war schön, da sie über eine Brücke führte, deren Pfeiler im Burgtorstil gehalten waren. Das Örtchen ist ein Felsennest, an dessen oberen Bergrand Mauern und Ruinen einer ehemaligen Burg kleben.
Generell führt der Radweg in diesem Abschnitt wieder meistens am Fluss oder dessen Kanal entlang. In Le Pouzin besorgte ich mir im dortigen Supermarkt eine Mittagsmahlzeit und der Rastplatz mit Bank und Tisch lag praktischerweise nur wenige Meter entfernt.

Am späten Nachmittag rollte ich in Valence ein und fand im dortigen Hotel de Lyon eine passable Bleibe für ca. € 55,00 incl. Fahrrad-garage. Generell kann man rückblickend feststellen, dass die Qualität der Hotels sich seit Avignon deutlich gebessert hatte. Am späten Nachmittag trübte es ein und wurde auch kühler. Valence würde ich im mittleren Bereich einordnen. Es gibt dort einen schönen Park, den Parc Jouvet, und das eine oder andere sehenswerte Gebäude.
                                                                                                                                           Rochemaure

Zu meiner großen Freude entdeckte ich in der Stadt einen Gummibärchenladen mit einer Riesenauswahl und deckte mich dort ausgiebig ein.
Abends fand sich in der Nähe des Hotels eine sehr gut besuchte Pizzeria mit Holzkohleofen. Der Clou war, dass sie Menues "Halb und Halb" anboten, d.h. man konnte sich aus der Speisekarte nach Belieben zwei Gerichte zum Preis von einem aussuchen und bekam von diesen jeweils eine halbe Portion. Das sollen unsere Italiener hier in Deutschland auch mal machen :-)

                          Park Jouvet


13. Tag: Valence - Serrieres 61 km

Am nächsten Morgen bewahrheitete sich leider das angekündigte, schlechte Wetter. Wenige Kilometer nach Valence hieß es Regenklamotten überziehen und Kampfradeln. Anfänglich tröpfelte es nur, aber nach und nach wurde ein veritabler Landregen daraus. Und jedes Jahr habe ich bei meinen Sommertouren dasselbe Problem: Es regnet zwar nur einen Tag und die Sachen sind auch regendicht, aber zwischen meinen Schuhen und der Regenhose klafft beim Treten immer wieder ein Lücke auf und in diese bzw. die Socken regnet es so gut rein, dass sich die Socken mit Wasser vollsaugen und ich nach ca. einer Stunde jedes Mal in den Schuhen sozusagen voll im Saft stehe! Und jedes Mal denke ich hinterher, ist ja nicht so schlimm, nur dauert das Trocknen der Schuhe i.d.R. drei Tage! So auch diesmal. Nach Hause zurückgekehrt habe ich mir endlich spezielle Überzieher bzw. Gamaschen gekauft, die die Lücke zwischen den Schuhen und der Regenhose hoffentlich künftig schließen.
Auf meiner Tour hätte ich dann gerne schon gegen Mittag aufgehört, nur lagen ausgerechnet an diesem Tag kaum Orte an der Strecke, jedenfalls keine mit Hotel. In einem Ort gab es dann tatsächlich ein Hotel, dieses war jedoch offenbar von einer Rentnerreisegruppebustour vollständig belegt worden. Am Nachmittag landete ich dann in Serrieres und fragte in einer dortigen Bio-Pizzeria !!! ob man ein Hotel kenne. Die Antwort: Wir  s i n d  ein Hotel, nämlich das Mon Hotel!
Aber nix wie das Fahrrad abgeladen und das Zimmer genommen, auch wenn es - mitten in der Prairie -  € 80,00 kostete! Dafür hatten die ein schönes Bad mit einer  B a d e w a n n e  :-)  Durchfeuchtet und klamm wie ich war, ließ ich die Wanne fast bis zum Rand vollaufen und legte mich in das wohlig warme Wasser. Das hatte schon was! Nach einem Bummel durch das kleine Örtchen gab es zum Abendessen eine Biopizza!                                                                                                                                          Serrieres

Außerdem gab es noch eine Überraschung: Mein Smartphone ließ sich nicht mehr aufladen! Das freut einen, wenn man zum einen zumindest für Notfälle oder Fahrradunfälle ganz gerne ein funktionierendes Handy hätte und außerdem diente es als Navi.


14. Tag: Serrieres - Lyon 77 km


Am nächsten Morgen ging es also ohne Navi auf dem auf diesem Teil der Strecke glücklicherweise gut ausgeschilderten Radweg bis Vienne, einem mittelgroßen, netten Städtchen, und ich suchte und fand dort doch tatsächlich einen Smartphone-Repairshop. Der Austausch des Akkus, den die nette Lady hinter dem Tresen und ich zunächst in Verdacht hatten, brachte nix und sie war so freundlich, ihren Akku wieder einzupacken und nicht zu berechnen. Oh je sagte ich, dann muss ich wohl ein neues Gerät kaufen. Nein meinte Sie, vermutlich liegt es an der Mini-USB-Buchse und suchte in ihrem Kleinteilelager. Als sie nix fand, meinte sie, ich solle doch einfach in Ruhe etwas essen gehen und um zwei Uhr wiederkommen. Als ich wiederkam, hatte sie woher auch immer eine Buchse organisiert und eine viertel Stunde später hatte ich wieder ein funktionierendes Handy!!! Die € 25,00 habe ich dann auf € 30,00 aufgerundet und mich herzlich bedankt. So geht Service!  

Nun war es aber auch Zeit, mich auf den Weg nach Lyon zu machen, wo ich am frühen Abend eintraf. In der Touristen-information besorgte ich mir ein Hotelzimmer mitten in der Stadt und das von außen unscheinbare Hotel de la Marne
hatte für € 46,00 ein kleines aber hübsches und liebevoll eingerichtetes Zimmer mit Bad.


             Vienne Rhonebrücke und Kathedrale


Lyon ist die zweitgrößte Stadt Frankreichs und hat ein bisschen das Image einer französischen Kriminalitätshochburg. Kann sein, oder auch nicht. Ich habe davon jedenfalls nichts bemerkt und die durchaus imposante Altstadt sowie die Notre-Dame de fouvriére auf dem Berg besichtigt. Dort oben befinden sich auch römische Ruinen. Anschließend ging  es in die Altstadt zum gemütlichen Abendessen. Auch hier wieder einige der vielen Fotos der Stadt:

 













          
Musée des Confluences                                Gebäude am Place Bellecour                      Notre-Dame u. Kathedrale                                 Justizpalast


Am Abend hatte dann irgendjemand am illuminierten Justizpalast eine Musikanlage aufgebaut und viele Paar tanzten zu südamerikanischer Musik.
Tja: Savoir vivre!
 

15. Tag: Lyon - Belley 105 km

Ab Lyon verlässt der Rhonetalradweg zunächst die Rhone und führt teilweise durch schöne, aber auch recht bergige Landschaft.
Mein Versuch der Radwegausschilderung aus Lyon raus zu folgen, ging daneben. Zunächst ging es nämlich in der Stadt am Rhoneufer entlang und ich hatte den Wegweiser "Genéve" vor mir. Plötzlich hatte ich ihn dann hinter mir und die Abzweigung, die eigentlich zwischen den Wegweisern hätte liegen müssen, war einfach nicht auffindbar. Na ja, egal!
Ich folgte mal wieder meiner Komoottour, die mich zuverlässig aus der Stadt rauslotste, oft auf einer eigenen Radwegtrasse entlang einer aus der Stadt hinausführenden Straßenbahnlinie. Nach dem Passieren des Flughafens begann es dann recht hügelig zu werden und es ging rund 300 Höhenmeter nach oben und, wie immer in bergiger Landschaft, zwischendurch auch wieder mal runter. Sieht man auf die Karte, so stellt man fest, dass ich ein großes Dreieck, welches die Rhone in dieser Gegend bildet, quasi abkürzte. Kurz vor Morestel traf ich dann auch wieder auf den Via Rhona.
Es war Zeit für eine Kaffeepause und der Akku hatte in der hügeligen Gegend auch sehr gelitten. Die Wirtin des Bistros erlaubte mir das Aufladen, was sich später als sehr sinnvoll herausstellte. Einige Kilometer nach Brangues traf ich wieder auf den Fluss und konnte diesem nun weitgehend folgen. Mitten in der Landschaft traf ich dann auf diesen netten Kameraden, der offenbar von daheim ausgebüxt war. Er fand mich offenbar so interessant, dass er eine ganze Weile nicht mehr von meiner Seite wich. Ich habe denn angehalten um ihn zu fotografieren. In diesem Moment kam ein Radler aus der Gegenrichtung und mein Begleiter beschloss, diesem zu folgen und wieder zurück zu rennen.
In der Abenddämmerung kam ich dann in Belley an. Aufgrund der Werbeschilder vor der Stadt hatte ich einen historischen Stadtkern usw. erwartet. Dem war aber nicht so. Es ist ein ziemlich schmuckloses, mittelgroßes Örtchen. Dafür war das Sweet Home Hotel für ca. € 55,00 wirklich erfreulich. Hier waren die zwei Sterne deutlich tiefgestapelt. Im Restaurant gab es zum Abendessen ein warmes Buffet mit einer reichhaltigen und schmackhaften Auswahl an Fisch und Fleisch.


16. Tag: Belley - Genf 94 km


Am nächsten Morgen bestieg ich das Fahrrad etwas wehmütig, denn es war klar, dass das Ende meiner Frankreichradtour nahe war. Bis Seyssel ging es zunächst recht angenehm im Rhonetal weiter, teilweise auch entlang des Flusses.
In dem genannten Örtchen machte ich in einer Boulangerie meine Mittagspause und fotografierte bei dieser Gelegenheit mal wieder eine schöne Rhonebrücke.
Die Weiterfahrt wurde dann richtig heftig. Die Rhone durchschneidet in diesem Bereich irgendeinen Gebirgszug, wahr-scheinlich schon ein Ausläufer der Alpen. Entsprechen ging es eine Weile richtig steil nach oben und hätte ich nicht mein Motörchen gehabt....
Dafür war die Abfahrt auf der anderen Seite dann richtig rasant. Nun wurde es wieder eben und nach einer Kaffeepause in einem Örtchen namens Vallerey ging es auf zum Endspurt nach Genf.
Vallerey wirkte übrigens so gar nicht mehr französisch, sondern schon ziemlich ordentlich schweizerisch. Vermutlich arbeiten die Bewohner im nahen Genf mit dessen Gehaltsniveau und leben im günstigeren Frankreich, so wie in unseren Grenzregionen zur Schweiz eben auch.

Ca. 15 km vor Genf, ich war auf Schweizer Hoheitsgebiet, hatte ich dann zwei Wegweiser Richtung Genf zu Auswahl. Ein Weg schlängelte irgendwo in der Gegend rum, aber laut Karte offenbar auch nicht an der Rhone, der andere war schlichtweg der Parallelradweg an der Nationalstraße. Nachdem ich doch schon einige Kilometer hinter mir hatte, wählte ich die Direttissima und bretzelte geradewegs nach Genf hinein.
Das Hotel Moderne (109,00 CHF), welches ich vorgebucht hatte, war vielleicht mal modern  (Renovierungsstau), aber das war mir nun wirklich wurscht. Hauptsache mitten in Genf. Genf hatte ich bei einer früheren Tour, siehe meine Loiretour 2016, schon ausgiebig besichtigt und so ließ ich den Tag bzw. Abend nach einem gemütlichen Abendessen in einer Pizzeria gemütlich ausklingen und radelte ein wenig kreuz und quer durch die schöne Altstadt auf dem Berg und an der Seepromenade entlang.

 

17. Tag: Genf - Singen (Zug), Singen - Neuhausen o.E. 34 km


Die Fahrkarte nach Deutschland hatte ich mir am Vortag besorgt, und so genoss ich nach der Ausfahrt aus dem Genfer Bahnhof die Fahrt entlang des blauen Genfer Sees bis Lausanne. Dort war dann mal wieder Schluss mit Genießen! In Lausanne fuhr mir der Zug nach Zürich trotz rasantem Umsteigens buchstäblich vor der Nase weg und die Schweizer Bahnbeamtin besaß die Unverfrorenheit, mir für die Umbuchung auf den Zug nach Zürich eine Stunde später auch noch 10 CHF abzuknöpfen. Die Schweizer nehmen es halt von den Lebenden! Durch den späteren Zug hatte ich in Zürich dann so gut wie keinen Aufenthalt und raste mit Fahrrad und Gepäck vom Tiefbahnhof - immerhin mit Aufzug - hoch ins Erdgeschoss des Bahnhofs und rein in den Zug nach Singen! Na ja, dieser Urlaub und meine Erlebnisse mit der Bahn waren wirklich ein Kapitel für sich!

Gegen Mittag kam ich dann in Singen an. Die Zusatztour hatte ich schon in Frankreich mit Komoot geplant, da ich noch einige Tage Urlaub hatte. Es gelang mir auch bis zum Donautal nochmal eine unbekannte Strecke zu finden, die mich zunächst an den Aachtopf führte. Die Aachquelle besteht größtenteils aus bei Immendingen und Fridingen versickertem Donauwasser, welches sich einen Weg durch den karstigen Untergrund bis zur Aachquelle bahnt. Auf diese Weis wird aus Donauwasser Rheinwasser, denn die Aach fließt bei Radolfzell in den Bodensee, also Rhein.

Danach ging es mal wieder bergauf in die Ausläufer der Schwäbischen Alb bis Neuhausen ob Egg. Von unterwegs rief ich dort meinen ehemaligen Vermieter und inzwischen lieben Bekannten an, den es zwischenzeitlich in diese Gegend am A... der Welt verschlagen hatte. Er bot mir prompt einen Grillabend und ein Gästebett an. Da konnte ich schlecht nein sagen :-)
So wurde es ein gemütlicher Abend, zumal eine charmante Bekannte von ihm, die ich auch von früher kannte, dazu kam.
 


 

                                  Aachtopf

 

18. Tag: Neuhausen o.E. - Riedlingen 81 km

Die Sonne strahlte auch an diesem Morgen und so ging es zunächst rasant hinunter ins Donautal nach Fridingen.
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber dieser Teil des Donauradwegs mit dem Durchbruch der Donau durch die Schwäbische Alb bis Sigmaringen ist einfach immer wieder wunderschön. Tolle Felsformationen, das Kloster Beuron und die ein oder andere Burg, nicht zuletzt das Schloss in Sigmaringen.

In
Sigmaringen kam ich gegen Mittag an und wollte dort eine Mittags- und Badepause im dortigen Freibad einlegen. War aber nix!
Das Freibad war wegen Umbaus geschlossen.
Also habe ich mir in
einem guten Restaurant in der Innenstadt einen ordentlichen Zwiebelrostbraten gegönnt und bin weiter ins nicht allzu weit entfernte Mengen geradelt. Dort habe ich dann die Badepause im dortigen Freibad nachgeholt. Anschließend radelt ich der Abendsonne entgegen, vorbei an der keltischen Heuneburg bis Riedlingen.
Dort bot mir das Hotel Hirsch (€ 48,00) ein nettes Zimmer mit Frühstück und den Abend ließ ich nach einem kleinen Bummel durch das hübsche Städtchen mit viel Fachwerk bei einem ordentlichen,                   fürstenbergisches Schloss Werenwang
schwäbischen Wurstsalat und einem Viertele ausklingen.                            
 


                         Riedlingen Donau


 

19. Tag: Riedlingen - Ulm 79 km

Nun näherte meine Tour sich allerdings endgültig Ihrem Ende. Der Donautalradweg verlässt kurz vor Datthausen das Donautal. Man muß dort eine 14-prozentige Steigung hoch zur B 311 kraxeln, um kurz darauf wieder hinunter ins Donautal nach Rechtenstein mit einer schönen Burgruine, direkt an der Donau, radeln zu können. Ich kenne die Strecke seit über zwanzig Jahren und es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wieso der dortige Landkreis sich bis heute nicht in der Lage gesehen hat, diese Lücke im Donaurad-weg unten im Donautal zu schließen. Danach geht es weiter über Munderkingen nach Ehingen. Dort machte ich meine Mittagspause, um kurz danach in Schelklingen im dortigen kleinen, gemütlichen, von einem Verein betriebenen Freibad noch einmal ein Badepäuschen zu machen. In Ehingen verlasse ich regelmäßig das Donautal, um über das dortige Urdonautal und erneut entlang von Albfelsen via Blaubeuren nach Ulm zu radeln. Dort ging es dann zum Bahnhof und mit dem Zug nach Hause nach Göppngen.

Tja, und das war dann meine diesjährige große Sommertour.

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